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Körpertraining nach Pilates

Bereits 1926 hat er in New York ein Fitness Studio in einem alten Fabrikgebäude eröffnet und auf seine Trainingsmethoden wurden rasch die im gleichen Gebäude untergebrachten Tänzerinnen und Schauspieler des New-York-City-Dance-Ballet aufmerksam.

Die Rede ist von Joseph Hubertus Pilates (1880-1967), einem gebürtigen Düsseldorfer, dessen Körpertraining für Hollywoods Show- und Tanzgrößen rasch zum wohlgehüteten Geheimtip wurden. Gregory Peck und Madonna sind vielleicht die bekanntesten unter ihnen.PilatesWorkingMuscle WEB Glaubt man MTVs Sendung “100 Most wanted Bodies”, so schwört jeder zweite Star auf diese Körperarbeit, weil sie fernöstliche Prinzipien des Yoga und des Tai Chi mit klassischer Gymnastik verbindet.

Pilates hat in seiner über viele Jahrzehnte hinweg entwickelten “Mattenklasse” verschiedenste Übungen kombiniert, die alle in großer Konzentration (“Contrology”) ausgeführt werden. Also eben keine “Klappmesser” aus der Abteilung “10 Sätze Liegestütz” usw. sondern sehr bewußte Haltungen.

Die tiefer liegende Muskulatur wird trainiert. Alle Übungen beginnen in der Körpermitte, dem Kraftzentrum ("Powerhouse"), und setzen sich von dort fort bis in die Arme und Beine. Die Konzentration liegt dabei auf

  • Atmung und
  • Bewegungsausführung

und kann Ihnen sicher einen neuen Zugang zum Körperbewusstsein verschaffen.joseph_pilates

Die Übungen werden im Liegen oder Sitzen absolviert. Dabei ist die exakte Ausführung wichtiger als häufige Wiederholungen.

Joseph Hubertus Pilates selbst verspricht nach 10 Stunden seines Trainings eine spürbare Veränderung, nach 20 Stunden erste Rückmeldungen aus Ihrer Umgebung und nach 30 Stunden einen neuen Körper.
Nun ja, ich gebe zu, daß mich die Kraft des positiven Denkens anspricht, und tatsächlich schwören viele auf einen flachen, festen Bauch, einen starken Rücken und schlanke Muskeln. Verbessern Sie also Ihre Haltung, dehnen Sie die Muskulatur.

Als Therapeut hat mich natürlich auch die Antriebsquelle interessiert, aus der Joseph Hubertus Pilates schöpfen konnte. Verblüffenderweise war er nicht der athletische Typ, dem große Leistungen in die Wiege gelegt worden wären. Vielmehr soll er ein kränkliches Kind gewesen sein (Asthma, Rachitis, Rheuma) dessen größter Wunsch es war, stärker und gesünder zu sein.

Mit 14 Jahren war er eifriger Sportler (Ski, Tauchen, Gymnastik), mit 32 zog er nach England wo er als Boxer, Zirkusartist und Selbstverteidigungstrainer für Detektive seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Deutscher bei Ausbruch des ersten Weltkriegs auf der Isle of Man interniert, macht er seine Mitgefangenen fit. Seine Anstrengungen sollten sich auszahlen, denn bei der riesigen Grippeepidemie, die nach dem Krieg in England Millionen von Opfern forderte, erkrankte keiner seiner Schüler. Als Pilates begann, mit einigen der Kriegsbeschädigten zu trainieren, wobei er sie ihr eigenes Körpergewicht einsetzen ließ, entwickelte er Übungen gegen die falschen Gewohnheiten einer ungleichgewichtigen Körperhaltung.
Fragen Sie heute einen Rehabilitationsexperten oder Chiropraktiker nach Pilates, so wird Ihnen dieser die ausgezeichnete Wirkung für unterentwickelte Bewegungsabläufe und verbesserte Körperhaltung bestätigen.

Eine interessante Lebensgeschichte also, die glaubwürdig macht, was diesen streitbaren Mann umgetrieben hat. Und so möchte ich Ihnen Pilates ans Herz legen als eine sehr persönliche Erfahrung. Hören Sie auf Ihren Körper!

Literatur zur Körperarbeit nach Pilates werden Sie in jeder gut sortierten Bibliothek ausleihen können.

Als persönlicher Tip eine Aufzeichnung des Bayerischen Rundfunks von und mit Christiane Reiter, erschienen in der Reihe Telegym (telegym.de). Sie werden staunen, wie unpretentiös und wohltuend frisch ein persönliches Körpertraining aussehen kann.

Nicht: Sie müssen trainieren, Sie wollen trainieren.

Probieren Sie es aus!

 

meine Literaturempfehlung:

Darcey Bussell, Pilates für Anfänger
50 Übungen für ein besseres Körpergefühl
ISBN 3-8310-0865-5; EUR 14,90

Darcey Bussell ist Primaballerina des Royal Opera House in London und weil der gute Joseph Pilates seine Übungen vor allem für seine Klientel von Tänzern der amerikanischen Schule (vgl. Julliard School, New York Dance Ballet) entwickelte, waren meine Erwartungen an ein Pilatesbuch aus der Feder einer Tänzerin sehr hoch.

Fazit: Da schreibt jemand aus der Praxis für die Praxis und das spürt man selbst in der Struktur der ausgewählten Übungen: In den Kapiteln
Warm-Up / Beweglichkeit
Bauchmuskelübungen
Stretchübungen
Übungen im Sitzen
Übungen im Vierfüßlerstand / Balanceübungen
Übungen in Bauchlage
Gleichgewichtsübungen
Warm-Down
zeugt eine unnachahmliche Körperbeherrschung, Anmut und Präzision von den Möglichkeiten, die der Körper jedem von uns bietet. Für mich persönlich war diese wohldurchdachte Auswahl der Übungen, Ihre Anordnung und auch die perfekt zu sehende Ausführung wirklich eine Offenbarung.

Nur noch zu übertreffen durch die DVD “Pilates for Life” (über amazon für knapp 27,- EUR) der Autorin selbst, die höchst anschaulich die Bewegungsabläufe zeigt, die einer Primaballerina zum 3 x wöchentlichen Training gereichen. Tänzerischen Laien macht diese DVD einmal mehr Lust, sich seinem Körper so liebevoll wie behutsam anzuvertrauen und einem erreichbaren Ziel entgegenzustreben. Sehr empfehlenswert!

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“In den frühen zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten sich in Deutschland neue Tanz- und Körpertrainingsformen, von denen Joseph Pilates beeinflusst wurde (...) Als Joseph Pilates 1926 bedrängt wurde, Angehörige der deutschen Armee zu trainieren, wanderte der überzeugte Pazifist in die USA aus. Da das von ihm entwickelte Körpertraining bereits in der Balettszene Deutschlands viel Beachtung gefunden hatte, wollte er seine Methode an den amerikanischen Hochburgen der Tanzes einführen. Auf der Überfahrt traf Pilates die Krankenschwester Clara, die er später heiratete  (...)”

aus:
Ungaro, Alycea: Pilates. Die Trainingsmethode für mehr Balance und Beweglichkeit, Starnberg 2002, S. 8-9

ISBN 3-8310-0377-7
ca. 14,90 EUR


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